Schriesheim. Von seinen Sangesbrüdem
wird er liebevoll „Mister Lyra" genannt,
und für ihn selbst wiederum ist die Lyra zu
seiner zweiten Familie geworden. Da war
es auch nicht anders zu erwarten, dass ihm
„
seine" Sänger zu seinem 70. Geburtstag
im Gasthaus „Zum Adler" ein wahres klei-
nes Konzert und viele Geschenke brachten.
Gerührt lauschte der Jubilar von seinem
Ehrenplatz aus dem Gesang nicht nur, son-
dern konnte es nicht lassen, bei dem einen
oder anderen Lied selbst seine Stimme mit
zu erheben und mitzuschmettem.
Werner Held, der am Freitag seinen 70.
Geburtstag feierte, ist sein Leben lang ein
umtriebiger Mann gewesen. 1934, in einer
schweren Zeit, in Leutershausen geboren,
blieb er seiner unmittelbaren Heimat, der
Bergstraße immer treu. „Ich bin in Leuters-
hausen geboren und nicht in Hirschberg!"
- und darauf legt der Jubilar großen Wert.
Seinen Vater, der während des Russland-
feldzugs fiel, hatte er nie kennen lernen
dürfen. Dennoch erinnert er sich gerne an
seine Kindheit, die zwar voller Entbehrun-
gen, aber dennoch glücklich gewesen sei.
Seit er denken kann, liebt er die Musik
und den Gesang. „Ich habe immer gesun-
gen, auch wenn es in dieser Zeit wenig zu
singen und zu freuen gab", erinnert sich
der Jubilar. Seine ersten gesanglichen Lor-
beeren verdiente er sich beim Leutershau-
sener Kirchenchor, in dem er den Zweiten
Tenor sang. „Heute ist meine Stimmlage
zwei Lagen tiefer gegangen", lacht er.
Doch erst nach seinem Umzug nach
Schriesheim entdeckte er seine Leiden-
schaft zum Chorgesang und zur Lyra. „Ein
Freund hat mich mitgenommen, und ich
fand gleich Zugang zu den Sängern", be-
richtet er über seine ersten Schritte bei der |
Lyra. In den ersten Jahren machte er den
„ Kaspar" bei den Faschingsveranstaltun-
gen der Lyra, kurze Zeit später wurde er
bereits in den Vorstand gewählt. Vier Jahre
war er stellvertretender Vorsitzender, seit
20 Jahren bekleidet er bereits den Vorsitz.
Was hat sich seither geändert
und was
nicht? „Das Fehlen jüngerer Sänger gab es
schon damals", versichert er. „Schon in
den sechziger Jahren hatten wir das Pro-
blem, auch jüngere Männerstimmen für
den Verein zu gewinnen", berichtet er.
Doch das sei nicht nur ein Problem der Ge-
sangvereine. „Heute hat sich der Mitglie-
derschwund auch auf die Sportvereine aus-
gedehnt, so dass manche nicht einmal eine
eigene Mannschaft auf die Beine stellen
können", bedauert er die derzeitige Ent-
wicklung. Auch wenn es mal Tage gibt, „an
denen ich ein Donnerwetter loslassen
muss", so sei er doch stolz auf „seine Sän-
ger" und auf „seinen Verein", gesteht er.
Angesichts seiner Geselligkeit ist es nicht
verwunderlich, dass ihm seine große Liebe
auf einem Maitanz begegnete. „Sie ist
Schriesheimerin, und wir lernten uns in
Dossenheim kennen", erzählt er und sieht
dabei seine Gemahlin Hilde, mit der er be-
reits über 40 Jahre lang glücklich verheira-
tet ist, ganz zärtlich an. greg
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